# 4 Geistige Unterforderung am Arbeitsplatz  kann zum Nährboden für Depression und Angststörungen werden.

 

Dir kommen schon am Sonntag bei dem Gedanken an den Wochenbeginn die ersten Frustgefühle hoch. Schon wieder 8 Stunden „absitzen“ im Büro, denkst du vielleicht. Mal sehen, möglicherweise ist ja mehr los und es wird gar nicht so langweilig. Stell dich nicht so an, motivierst du dich selbst. Andere wären froh, so einen Job zu haben.

Dass deine Kolleginnen und Kollegen teilweise eher über- als unterfordert sind, macht es für dich nicht besser. Da fühlt es sich eher arrogant an, wenn du laut aussprechen würdest, wie du dich fühlst. Wenn du Unterstützung anbietest, wird diese auch schnell mal als Affond aufgefasst. Denn schließlich will man sich nicht die Blöße geben, seine Arbeit nicht zu schaffen.

Die verschiedensten Befindlichkeiten spielen hier zusammen. Also „tust“ du fleißig und beschäftigt, damit sich niemand komisch fühlt.

Außer dir selbst.

Dein Interesse an der Arbeit sinkt, die Motivation damit auch. du ziehst dich immer mehr zurück wirst stiller, nimmst nicht mehr an den Gesprächen teil.

Die Stimmung trägst du natürlich auch in dein Privatleben.

Unzufriedenheit für die kein Raum da ist, Sorgen für die es kein Ohr gibt, schlagen auf`s Gemüt.

Wenn du nicht wachsam bist, dann kreierst du dir entweder körperliche Erscheinungen, wie Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen. Oft sind es auch Schlafstörungen, innere Unruhe oder Herzrasen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Alternativ sind auch Wut oder Aggression gerne dabei. Oder du streitest dich mit deinem Partner, der eigentlich nichts für die Situation kann.

Kommt dir davon etwas bekannt vor?

Als Boreout-Syndrom (englisch: boredom für „Langeweile“) wird ein Zustand von geistiger Unterforderung am Arbeitsplatz bezeichnet. Bisher ist es nicht wissenschaftlich als Krankheitsbild anerkannt. Es wird aber als Gegenstück des Burnout-Syndroms charakterisiert, das ebenfalls mit den gleichen Symptomen enden kann. 

Im Gegensatz zum Boreout, ist ein Burnout gesellschaftlich eher anerkannt, es gilt schon fast als Heldentat, wenn jemand sich so verausgabt hat, dass er einen Burnout bekommt. Davon abgesehen, dass ein Burnout nicht nur durch berufliche Überforderung entstehen kann, wird im Allgemeinen ein Erschöpfungssyndrom in unserer Gesellschaft eher akzeptiert.

Ein „Boreout“ ist dagegen weniger bekannt und hat eher den Beigeschmack von Faulheit oder Unfähigkeit.

Er entsteht entweder aus quantitativen oder qualitativen Gründen. Bei der Quantität fehlt es schlicht an der Menge der Aufgaben. Bei der Qualität ist die Mitarbeiterin, der Mitarbeiter eher inhaltlich mit den Aufgaben unterfordert. Daraus entsteht Langeweile und die führt nach einiger Zeit zu Desinteresse,  Rückzug und in der Folge zu mehr krankheitsbedingten Ausfällen.

Auch die Krankenkassen haben das Problem inzwischen erkannt. Weitere Ursachen können sein: die Digitalisierung, falsche Voraussetzungen bei der Einstellung, oder aber die altbekannte Routine.

Der Mensch entwickelt sich weiter. Bewusst oder unbewusst und Aufgaben und Interessen verändern sich.

Wenn wir das nicht anerkennen, weil wir oft noch glauben, „man müsste doch zufrieden sein“, oder schlicht aus Angst vor dem Unbekannten, dann bietet die geistige Unterforderung über einen längeren Zeitraum, den Nährboden für Depression und Angststörungen.

 

Findest du dich in den folgenden Punkten wieder?

  •  Du erledigst während der Arbeitszeit private Dinge, wie E-Mails oder Anrufe.
  •  Du hast kein Interesse an den eigentlichen Themen deiner Arbeit, oder an deren   Weiterentwicklung.
  •  Du spielst den Kollegen vor, gut ausgelastet zu sein, um sie nicht zu enttäuschen oder in Ruhe   gelassen zu werden.
  •  Du fühlst dich müde und ausgelaugt zum Feierabend, obwohl es kein stressiger Tag war.
  •  Du siehst kaum noch Sinn in deiner Tätigkeit für dich und fühlst dich zunehmend unzufrieden und   traurig.
  •  Du würdest am liebsten sofort kündigen, aber aus Angst vor der ungewissen Zukunft, traust du dich nicht.

 

Was kannst du also tun um gegenzusteuern?

1. Sprich es an! Such das Gespräch mit deinem Chef oder einem Vorgesetzten zu dem ein Vertrauensverhältnis besteht und schaut gemeinsam, ob es andere Aufgaben, oder Weiterbildungen für dich gibt.

2. Wenn eine Änderung in deinem Job nicht möglich ist, dann frag´ nach Stundenreduzierung, oder anderen Arbeitszeitmodellen, wie Homeoffice-Tage.

3. Bilde dich eigenständig weiter, in einem Bereich der dich interessiert.

4. Du weißt nicht was? Dann geh ‘ins Internet oder an die Volkshochschule und probier neue Dinge aus. Bei vielen Jobs gibt es einen Anspruch auf Bildungsurlaub.

 

Das Wichtigste bei der ganzen Sache ist, dass du das Steuer wieder in die Hand nimmst und handelst.

Dir gefällt die Situation nicht?

Dann ändere sie, akzeptiere sie oder verlasse sie.

 

Das klingt vielleicht leichter gesagt als getan und es kann durchaus helfen sich auf dem Weg zur eigenen Klarheit Unterstützung zu holen.

Trau dich und fang damit an ehrlich mit dir selbst zu sein. Es lohnt sich.

 

Alles Liebe

Deine Cornelia